Oberitalien: Die deutschen Sprachinseln sind sehr aktiv

„Schon öfter wurde den deutschen Sprachinseln in Oberitalien das Aussterben verheißen. Doch so schnell wird das nicht geschehen: Die Sprachinseln sind im Gegenteil sehr lebendig, wie am Sonntag bei der Vollversammlung des Sprachinselkomitees in Robaan/Roana in den Sieben Gemeinden auf der Hochebene von Asiago deutlich wurde.

„Willkommen in den Sieben Gemeinden“: Solche Schilder stehen an jeder Zufahrt zur Hochebene.

Viele Sprachinseln geben eigene Zeitschriften und Kalender heraus, dazu Veröffentlichungen mit Forschungen über Geschichte, Sprache, Traditionen und Kultur, und ein wichtiges Standbein für das Weiterbestehen der Gemeinschaften sind die Sprachkurse, denn in gar manchen der Sprachinseln gibt es keine muttersprachlichen Sprecher mehr. Unterricht in Schulen kommt nur zustande, wenn das Wohlwollen der Schulbehörden und das Engagement Einzelner gegeben sind. Kreativ aber sind alle Sprachinseln in ihrem Bemühen, ihre Zukunft zu sichern. Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass sich auch in jüngeren Generationen Mitstreiter finden lassen.

Im Museum im Zimbrischen Kulturinstitut sind zahlreiche historische Geräte ausgestellt, in diesem Fall ein alter Pflug.

Für die Weitergabe der jeweiligen Sprache unerlässlich ist die Erstellung von Wörterbüchern und Grammatiken. Ein herausragendes Beispiel wurde bei der Versammlung vorgestellt. Prof. Luca Panieri von der Universität für moderne Sprachen Mailand (IULM) hat vor zehn Jahren die Arbeit an einem zimbrisch-italienischen Wörterbuch („de zimbrische Zunga von Siban Komaün“) und einer Grammatik für die Sieben Gemeinden begonnen, dabei auch Rechtschreibregeln festgelegt und diese Arbeit vergangenes Jahr abgeschlossen.

Univ.-Prof. Luca Panieri

Das Zimbrische ist laut Panieri dem Althochdeutschen äußerst ähnlich und gibt damit einen Hinweis, wann die ersten der ursprünglich aus Bayern stammenden Siedler die Hochebene erreichten: es muss um die Mitte des 11. Jahrhunderts gewesen sein. „Zimbrisch und das heutige Hochdeutsch sind Schwestern derselben Mutter“, sagte Panieri, „und zwar der deutschen Sprache des Mittelalters.“ Der Wissenschaftler wies dies anhand zahlreicher Beispiele nach. Zumal die Unterschiede heute aber sehr groß sind, wird das Zimbrische als Sprache, nicht als Mundart angesehen.

Zwar nicht gleichgestellt, aber doch durch ein Zusatzschild zweisprachig: Ortsschild in Robaan/Roana.

Panieris Arbeit wurde in eine Datenbank eingespeist, die Grundlage nicht nur für die gedruckten Versionen des Wörterbuchs und der Grammatik ist: Das Wörterbuch kann auch online konsultiert werden. Die gedruckten Werke sind beim Zimbrischen Kulturinstitut in Robaan/Roana erhältlich.

Nur einige der zahlreichen Publikationen des Zimbrischen Kulturinstituts in Robaan/Roana.

Aufgenommen wurde ein neues Mitglied, und zwar die Gemeinde Terragnolo (Leimtal), die südöstlich von Rovereto liegt. Sie kann nicht als zimbrische Sprachinsel angesehen werden, zumal die Minderheiten-Gemeinden im Trentino im Trentiner Landesgesetz Nr. 6 vom 19. Juni 2008 Art, 3, Absatz 3 taxativ aufgezählt sind, wie Sprachinsel-Koordinatorin Anna Maria Trenti Kaufmann sagte.

Sprachinsel-Koordinatorin Anna Maria Trenti Kaufmann und Sekretär Leo Toller

Da die Gemeinde aber die Ziele des Sprachinselkomitees teilt und große Anstrengungen unternimmt, um die auf ihrem Gebiet im 19. Jahrhundert erloschene zimbrische Sprache, die Kultur und Traditionen wiederzubeleben, wurde der Antrag auf Mitgliedschaft genehmigt.

Die Teilnehmer an der Vollversammlung des Sprachinselkomitees am 17./18. Mai 2025 in Robaan/Roana

Auch im benachbarten Brandtal (Vallarsa) wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein Zimbrisch gesprochen, und dort gibt es in den letzten Jahren ebenfalls starke Bestrebungen, die Sprache wiederzubeleben. Weitere Gebiete, in denen das Zimbrische zu Hause ist, sind die Gemeinde Lusérn (Provinz Trient) und die Dreizehn Gemeinden in den Lessinischen Bergen nördlich von Verona. Nur in Lusérn allerdings wird die Sprache bis heute von etwa 1000 Muttersprachlern gesprochen.“

Dieser Artikel erschien am 26. Mai 2025 auf „Südtirol Online„.