Ein Komitee für die deutschsprachigen Minderheiten
Das Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien setzt sich aus Vertretern der deutschen Gemeinschaften im italienischen Alpenbogen zusammen und hat zum Ziel, deren Sprachen und Kulturen zu fördern. Es wurde 2002 in Folge mehrerer Treffen gegründet, nachdem die Europäische Union und der Europarat 2001 zum Jahr der Sprachen ausgerufen hatten. Im Laufe der Jahre hat die Zahl der teilnehmenden Gemeinschaften zugenommen.
Unsere Geschichte
Die Geschichte der Sprachinseln ist nicht die Geschichte der Fürsten und Mächtigen, der Schönen und Reichen, der Kaiser und Könige; vielmehr ist es die stille Geschichte der einfachen kleinen Leute, die, abseits der großen Handels – und Verkehrswege, in abgeschiedenen Gegenden ihr Leben als Selbstversorger gestalteten, bei denen Glaube und Aberglaube eng nebeneinander standen, bei denen weltliches und kirchliches Brauchtum den Jahreslauf prägten, die von der sie umgebenden Bevölkerung kaum wahrgenommen wurden.
In der Zeit zwischen 1000 und 1300 wurden die sonnigen Südseiten der Alpen angesiedelt. Aus den deutschsprachigen Landen hatten die Menschen ihre Sprachen mitgebracht. Diese alten Sprachformen wurden im Laufe der Jahrhunderte lediglich mündlich weiter gegeben, sind aber trotz zahlreicher erduldeter Widrigkeiten immer noch lebendig geblieben, wenn auch in unterschiedlichem Maße.
Die schlimmste Zeit setzte mit dem Entstehen der Nationalstaaten ein: in diesen sollte es nur mehr eine Sprache, nur mehr eine Religion, nur mehr eine Kultur geben. Der Gipfel dieser Staatsphilosophie war dann in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen erreicht, in Italien in der Zeit des Faschismus.
Besonders schlimm war dabei wohl, dass den Menschen eingebläut wurde, ihre Sprache sei schlecht, sei barbarisch, sei abscheulich, sei verwerflich, sei den Kindern nicht zuzumuten und somit auch nicht weiter zu geben. Was nimmt es da Wunder, wenn sich die Menschen geschämt haben, ihre Muttersprache zu gebrauchen, wenn sie es vermieden haben, ihren Kindern diese angeblich unwürdigen und barbarischen Sprachen weiter zu geben!
Im deutschsprachigen Ausland gab es zwar mehrere Wissenschaftler, die sich mit Sprache und Kultur der Sprachinselgemeinschaften befassten. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten und die zahlreichen Publikationen – alle von unschätzbarem Wert – finden sich vor allem in Universitätsbibliotheken und bei Fachleuten.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Wissen um die Sprachinseln im Großen und Ganzen im Dunkeln verborgen. Allmählich konnte sich Europa aus den Kriegstrümmern befreien und erholen. Da besinnt sich Europa auch der Vielfalt seiner Sprachen und Kulturen: Im Europarat entsteht das Rahmenübereinkommen zum Schutze nationaler Minderheiten. Italien verabschiedet 1999 das Gesetz zum Schutze der historischen Minderheiten in Italien. In diesem Gesetz sind die deutschen Sprachinseln unter dem Sammelbegriff „germanici“ angeführt. Das Gesetz sieht im Artikel 3 vor, dass sich Gemeinschaften einer selben Minderheitengruppe zu einer Gemeinschaft mit Koordinierungs-und Vorschlagsrecht zusammenschließen können und dass diese Gemeinschaft von den Lokalkörperschaften anerkannt werden kann.
Das Jahr 2001 wurde von Europarat und Europaparlament zum europäischen Jahr der Sprachen ausgerufen. Zu diesem Anlass fanden sich in Neumarkt in Südtirol Vertreter der deutschen Sprachinseln zu einem zweitägigen Treffen ein, um über Gegenwart und Zukunft zu diskutieren. Es war dieses Treffen der zündende Funke für eine Neubesinnung auf das Sprachinseldasein.
In der Folge wurde das „Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien“ gegründet, kurz „Sprachinselkomitee“ genannt. Zurzeit (2014) gehören 21 Gemeinschaften dem Komitee an.
Diese Website gibt einen ersten Einblick in das Sprachinselkomitee.
Unsere Mission
Schutz, Förderung und Zusammenarbeit für die Lebendigkeit der deutschen Gemeinschaften
Das Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien wurde mit einer klaren und gemeinsamen Mission gegründet: die Sprache und Kultur der deutschstämmigen Gemeinschaften zu schützen und zu fördern, die seit Jahrhunderten im Alpenbogen und in einigen Regionen Nordostitaliens ansässig sind. Dieses Ziel, das im Artikel 3 des Statuts verankert ist, wird durch konkrete Maßnahmen verfolgt, sowohl eigenständig als auch in Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen, Kulturvereinen und akademischen Institutionen auf nationaler und europäischer Ebene. Das Komitee setzt sich dafür ein, das sprachliche und kulturelle Erbe dieser Gemeinschaften aufzuwerten und Bildungs-, Verlags-, institutionelle und Kommunikationsinitiativen zu unterstützen, damit ihre Identität weiterlebt, sich erneuert und auch über die lokalen Grenzen hinaus bekannt wird.
Unser Statut
Die rechtliche und organisatorische Grundlage des Komitees
Unser Statut ist das grundlegende Dokument, das die Arbeitsweise des Einheitskomitees regelt. Es definiert die Ziele, die Aufnahmebedingungen, die Struktur der Organe und die Funktionsweise, wobei Transparenz, Demokratie und Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsorganisationen gewährleistet sind. Das Statut bildet die rechtliche Grundlage, die es dem Komitee ermöglicht, koordiniert und anerkannt im Einklang mit den geltenden italienischen Gesetzen zu handeln.
Organe
Die Versammlung
Die Versammlung besteht aus den gesetzlichen Vertretern oder deren Stellvertretern und Delegierten aller angeschlossenen Vereine und Einrichtungen. Die Versammlung findet in der Regel einmal jährlich statt.
Der Koordinierungsrat
Der Koordinierungsrat setzt sich zusammen aus dem Koordinator, dem stellvertretenden Koordinator (der zugleich die Funktion des Kassiers ausübt) und weiteren drei Ratsmitgliedern, die alle von der Versammlung gewählt werden und die verschiedenen geografischen Bereiche der Mitglieder repräsentieren. Zudem gehört dem Koordinierungsrat kraft Amtes der Sekretär des Komitees an. Die Amtszeit des Koordinierungsrats beträgt drei Jahre. Er tagt in der Regel zweimal jährlich.
Mitglieder
Kulturelle Institute und Zentren
- Walser Kulturzentrum – Gressoney
- Walsergruppe Carcoforo
- Zimbrisches Kulturinstitut – Lusern
- Zimbrisches Kulturinstitut – Roana
- Bersntoler Kulturinstitut – Palai
- Kulturverein G. Unfer – Timau
- Kanaltaler Kulturverein – Tarvis
- Sauraner Kulturverein F. Schneider – Sauris
- Dokumentationszentrum – Lusern
- ISAL – Institut für Studien zur lokalen Verwaltung – Udine
- Walser Studienzentrum Rimella – Rimella
Gemeinden
- Gemeinde Alagna
- Gemeinde Sauris
Vereine und Gruppen
- Verein Augusta – Issime
- Kulturverein Luserna – Kulturverein Lusérn
- Walsergemeinschaft Kampel / Walsergruppe Campello Monti
- Walserverein Pomatt – Formazza
- Kulturverein De Zimbar ‚un Ljetzan – Selva di Progno
- Curatorium Cimbricum Veronense – Giazza
- Kulturverein Cimbri di Cansiglio – Tambre
- Verein Plodar – Sappada
- Dauernder Rat der Walser zum Schutz der Walser Kultur und Sprache – Issime
- Sprachinselverein Wien
Koordinierungsrat
Koordinatorin
- Anna Maria Trenti Kaufman
Stellvertretende Koordinatorin
- Velia Plozner
Mitglieder
- Michele Musso
- Paola Borla
- Matteo Casentini
Sekretär
- Leo Toller
Rechtsnormen
Die Vorschriften, die die Sprachinseln regeln, sind auf mehreren Ebenen aufgebaut: europäisch, national und lokal. Jede Ebene definiert spezifische Regeln und Schutzmaßnahmen zum Erhalt dieser einzigartigen sprachlichen Realitäten.

Die Mitglieder, der Koordinierungsrat und die weiteren Teilnehmer der Versammlung 2025 in Roana/Robaan.