Ein Blick auf die Sieben Gemeinden und sieben Dörfer

In der jüngsten Nummer der Zeitschrift „Der Schlern“ ist eine Studie dreier Wissenschaftler abgedruckt, die an den Universitäten Innsbruck und Graz bzw. am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung Innsbruck forschen. Sie haben sich auf die Suche nach Zeugnissen deutscher Sprachinseln in Slowenien und in Italien gemacht haben, und zwar in den Sieben Gemeinden auf der Hochebene von Sleghe/Asiago und in sieben Dörfern zwischen Tolmin und Ljubljana. Zum Untersuchungsgegenstand erklären die Autoren nicht mehr existierende Sprachgemeinschaften in echter Insellage, zu denen die Autoren eben die Sieben und die 13 Gemeinden, nicht aber die noch existierenden Sprachinseln Lusérn, Bersntol, Plodn, Tischlbong, die Zahre oder Zarz/Sorica zählen. 

Die Studie geht davon aus, ethnolinguistische Gruppen Zeichen in der Kulturlandschaft hinterlassen, auch wenn sie schon verschwunden sind. Die Autoren führten ihre Untersuchungen anhand von Internetrecherchen durch, aber auch mit Interviews mit Einheimischen und Experten bei Besuchen in den fraglichen Gebieten.

Kapitel 3 der Studie erläutert die historische Entwicklung der deutschen Sprachinseln in den Vicentinischen und Julischen Alpen samt der Bevölkerungszahlen. Dort wird auch die Aussage begründet, warum man die Sprache als erloschen betrachte. Der zimbrische Dialekt etwa sei nun auch in Robaan vollständig überschichtet und in den Sieben Gemeinden beherrsche niemand mehr Zimbrisch als Muttersprache, schreiben die Autoren. Wer heute noch Zimbrisch gebrauche, habe sich die Sprache mithilfe von Wörterbüchern und Lernhilfen angeeignet; zumeist handele es sich um jüngere Personen, die dann auch Sprachkurse anbieten. Ihre Anzahl umfasse rund 20 Personen.

Dabei habe die Einwohnerzahl der Sprachinseln nur untergeordnete Bedeutung für die Spracherhalt, schreiben die Autoren; das beweise Lusérn, wo sich die Sprache dank der Sonderautonomie, der sich die Provinz Trient in der Region Trentino-Südtirol erfreut, und der ergriffenen Schutz- und Fördermaßnahmen erhalten hat.

Die Autoren führen in ihrer Studie zahlreiche Beispiele „symbolischer Ethnizität“ in den Sieben Gemeinden an, während in Slowenien eine solche praktisch nicht festzustellen sei. Allerdings ist die frühere Existenz des Tiroler Dialekts auch dort im Namensgut, in der Toponomastik und in kulturellen Aktivitäten noch gegenwärtig.

Die Autoren schildern die sprachliche Entwicklung der Sieben Gemeinden, ihre Beeinträchtigung nicht zuletzt durch Maßnahmen der Kirche und der österreichischen Verwaltung zwischen 1815 und 1866 und die verheerenden Folgen der beiden Weltkriege und des faschistischen Regimes.

Die Autoren haben „Inszenierungen symbolischer Ethnizität“ festgestellt, wenn es um die Verwendung des Zimbrischen für die touristische Vermarktung und die Bewerbung beispielsweise der in Italien sehr bekannten Käse-Sorte Asiago geht.

Da der Tiroler Dialekt in den im heutigen Slowenien liegenden deutschen Sprachinseln bereits an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ausstarb, sind dort nur noch wenige sichtbare Relikte aufzufinden, die an die ehemalige deutsche Sprachgruppe erinnern; Dabei handelt es sich vor allem um Berg-, Gewässer-, Haus- und Vulgonamen. Touristisch wird diese Reminiszenz an die einstige Existenz deutscher Sprachgemeinschaften nicht genutzt.

In ihren Schlussbemerkungen weisen die Autoren darauf hin, dass alle Maßnahmen zur Förderung und zur Wiederbelebung von Dialekten nichts nutzen, wenn nicht einzelne oder mehrere Personen Initiativen ergreifen. In den Sieben Gemeinden ist dies wohl der Fall, in den sieben Dörfern in Slowenien nicht.

Die Studie bietet auch dem, der sich nicht in erster Linie mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen befassen will, eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich mit der Geschichte und der Entwicklung der Zimbern in den Sieben Gemeinden und den Deutschen in den sieben Dörfern vertraut zu machen. Für eine Vertiefung des Themas äußerst wertvoll ist das ausführliche Literaturverzeichnis.

Ernst Steinicke, Oliver Bender, Peter Čede: „Von sieben Dörfern und den Sieben Gemeinden. Reminiszenzen erloschener deutscher Sprachinseln im Einzugsgebiet der Soča (Slowenien) und auf der Hochebene von Asiago (Italien“, in: „Der Schlern. Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde“, Heft 5, Nr. 100/2026, S. 38 – 63

Auch dieses Schild, mit dem in den Sieben Gemeinden touristisch für den Mountainbike-Weg „Zimbarstaige“ geworben wird, verstehen die Autoren der Studie als „Inszenierungen symbolischer Ethnizität“.