Eine Walser-Insel im Kanton Tessin
Im Jahre 1230 pachteten einige Pomatter eine Alp im Gebiet des heutigen Bosco Gurin. 1253 gilt als Gründungsjahr der Gemeinde, denn damals trat die kleine Kolonie zum ersten Mal als schon durchorganisierte Gemeinschaft auf. Am 10. Mai wurde nämlich „in loco de Quarino ubi dicitur ad Buschum“ die gerade fertig gebaute Kirche der Hl. Jakobus und Christophorus mit zugehörigem Hospiz eingeweiht.
Bosco Gurin ist die höchstgelegene (1506 m ü. M.) und einzige deutschsprachige Ortschaft im Kanton Tessin (Schweiz).
Das Bergdorf weist heute noch knapp fünfzig Einwohner auf. Ungefähr zwei Drittel davon sind Einheimische und sprechen somit, neben Italienisch und Deutsch, auch die Guriner Variante des Walserdeutschen. Die lokale Mundart nennt sich Ggurijnartitsch, ein höchstalemannischer Dialekt.
Heute kommen in Gurin noch vier alte Familiennamen vor: Bronz, Della Pietra (früher: Zumstein), Sartori (früher: Schneider), Tomamichel. Anderweitig sind noch Vertreter der Familien Janner und Elzi anzutreffen. Ursprünglich gab es aber noch keine Familiennamen, in Gurin wurden sie erst Ende des 16. Jh. üblich.
Sprache und Einwohner
Wirtschaft und Tätigkeiten
In Gurin gibt es noch drei landwirtschaftliche Betriebe, eine Sennerei, eine Alpwirtschaft, eine Schreinerei, ein Bau- und ein Forstgeschäft, sowie verschiedene Anlagen für den Sommer- und Wintertourismus (Hotel, Sessel- und Skilifte, Berghütte, Restaurants, Lagerheim, Herberge, Bed&Breakfast).
Dazu sind noch ein Lebensmittelladen, eine Bäckerei, ein Museum und eine Poststelle in Betrieb
Die den Heiligen Jakobus und Christophorus geweihte Pfarrkirche wurde im 15. Jh. auf einer Anhöhe erbaut, nachdem das ursprüngliche Dorf von einer Lawine zerstört worden war.
Im Jahr 1936 gründete eine Gruppe Guriner die Vereinigung Walserhaus mit dem Ziel, die Walserkultur zu bewahren und das Verständnis für ihre Ursprünge und Traditionen auch außerhalb der Gemeinschaft zu fördern.
Das Walserhaus-Museum, das 1938 eröffnet wurde, war das erste ethnografische Museum des Kantons Tessin.
Kirche und historisches Gedächtnis